Rechnungsprogramm-Vergleich: So findest du die passende Lösung (Desktop vs. Cloud)
Wenn du ein Rechnungsprogramm suchst, stehst du schnell vor zwei Grundentscheidungen:
- Desktop-App (lokal installiert, oft offline möglich)
- Cloud/SaaS (Browser-basiert, Daten liegen beim Anbieter)
Beides kann richtig sein – entscheidend ist, was du wirklich brauchst: Workflow, Datenschutz, Teamfähigkeit, Exporte und (in Deutschland besonders wichtig) GoBD sowie E‑Rechnungsformate wie ZUGFeRD und XRechnung.
Hinweis: Diese Seite ist eine Orientierungshilfe, keine Rechts- oder Steuerberatung.
0) Key Takeaways
- Entscheide zuerst: Desktop (lokal/offline) vs. Cloud (SaaS/browserbasiert).
- Für Deutschland zählt zusätzlich: GoBD‑Workflow (Nachvollziehbarkeit, Korrekturen, Archiv) und E‑Rechnung (ZUGFeRD/XRechnung).
- Achte weniger auf „Feature‑Listen“ und mehr auf: Datenhoheit, Export, Backup/Restore, Korrekturprozess, Portal‑Workflow.
1) Vergleichskriterien, die in der Praxis zählen
Datenhoheit & Datenschutz
Frage dich:
- Wo liegen die Daten (lokal / Cloud)?
- Wer hat Zugriff (Rollen, Admins, Support)?
- Wie einfach ist ein vollständiger Export?
Für viele Selbstständige ist „Daten bleiben auf meinem Rechner“ ein echtes Argument – gerade bei sensiblen Kundendaten.
Praktische Prüf-Fragen:
- Kann ich meine Daten jederzeit vollständig exportieren (Kunden, Artikel, Rechnungen, Zahlungen, Anhänge)?
- Gibt es ein klares Konzept zu Berechtigungen (wer darf erstellen, wer darf korrigieren, wer darf löschen)?
- Ist nachvollziehbar, wie Support/Administration Zugriff erhält (falls Cloud)?
Offline-Fähigkeit
Cloud-Tools funktionieren oft nur zuverlässig mit Internet. Eine Desktop-App kann dagegen in vielen Fällen offline weiterarbeiten (z. B. im Zug, beim Kunden, bei Ausfällen).
Praktische Prüf-Fragen:
- Was passiert bei Internet-Ausfall: kann ich weiter schreiben/ausdrucken?
- Gibt es bei Cloud-Tools einen „Degraded Mode“ oder ist alles blockiert?
GoBD: Korrekturen, Nachvollziehbarkeit, Archiv
GoBD ist selten „ein Häkchen“, sondern ein Zusammenspiel aus Software und Prozess:
- Korrigierst du per Storno/Korrekturrechnung statt Überschreiben?
- Sind Rechnungen/Belege auffindbar und vollständig archiviert?
- Gibt es Backup + Restore?
Mehr Details: /gobd
Wenn du GoBD praxistauglich abdecken willst, sind meist diese Dinge entscheidend:
- Korrekturen sind nachvollziehbar (Original + Korrektur bleiben erhalten)
- Unterlagen sind schnell auffindbar (Suche, klare Ablage, Export)
- Backup/Restore ist dokumentiert und getestet
E‑Rechnung: ZUGFeRD & XRechnung
Je nachdem, an wen du Rechnungen stellst:
- B2B: häufig ZUGFeRD (PDF + eingebettete Daten) praktisch
- B2G: häufig XRechnung (XML) erforderlich
Leitfäden:
Entscheidungshilfe:
Teamfähigkeit (jetzt oder später)
Wenn du heute allein bist, aber morgen mit Assistenz/Team arbeitest, ist das ein häufiger Wechselgrund.
Praktische Prüf-Fragen:
- Gibt es Rollen/Rechte (z. B. „nur Entwürfe“, „nur Versand“, „nur Buchhaltung“)?
- Kann ich sauber zwischen „Entwurf“ und „veröffentlicht“ unterscheiden?
Integrationen & Schnittstellen (realistisch bewerten)
Viele Cloud-Tools glänzen mit Integrationen. Das ist sinnvoll, wenn du sie wirklich nutzt.
Praktische Prüf-Fragen:
- Brauche ich Bank‑Automatisierung oder reicht mir ein klarer Zahlungsstatus?
- Welche Exporte sind wichtig (CSV, PDF, ggf. strukturierte Daten für E‑Rechnung)?
Kostenmodell (TCO) statt nur Monats-/Einmalpreis
Ein Vergleich wird fairer, wenn du die Gesamtkosten über 3–5 Jahre betrachtest.
Praktische Prüf-Fragen:
- Gibt es Abo-Preissteigerungen? Was passiert bei Kündigung?
- Gibt es bei Kaufmodellen Updates/Wartung (z. B. Update‑Pass)?
- Welche Kosten entstehen durch Wechsel/Export, falls du in 2 Jahren migrieren willst?
2) Desktop vs. Cloud: eine ehrliche Gegenüberstellung
| Kriterium | Desktop-App | Cloud/SaaS |
|---|---|---|
| Internet erforderlich | oft nein | meistens ja |
| Daten liegen wo? | lokal | beim Anbieter |
| Zusammenarbeit im Team | je nach Konzept | oft sehr gut |
| Updates | lokal installierbar | automatisch |
| Exporte & Wechsel | abhängig vom Tool | abhängig vom Tool |
| Datenschutz/Compliance | gut steuerbar lokal | hängt stark vom Anbieter ab |
Wichtig: Cloud ist nicht automatisch „schlechter“ – aber du solltest bewusst entscheiden, ob du den Betrieb (Datenhaltung, Zugriff, Ausfallrisiken) auslagern willst.
3) Für wen passt was? (Szenarien)
Szenario A: Freelancer mit wenigen Rechnungen/Monat
Typisch wichtig:
- schnelle Erstellung, saubere Vorlagen
- einfache Ablage/Export
- Kosten im Blick
Häufig passt:
- Desktop, wenn Datenschutz/Offline wichtig ist
- Cloud, wenn du nur „von überall im Browser“ willst
Szenario B: Agentur/Team mit mehreren Bearbeitern
Typisch wichtig:
- Rollen/Rechte, paralleles Arbeiten
- klare Freigabeprozesse
- zentrale Ablage
Häufig passt:
- Cloud, wenn echtes paralleles Arbeiten zentral ist
- Desktop, wenn du Teamfähigkeit über ein Client‑Server‑Konzept oder klare Rollen/Spiegelung abbilden kannst
Szenario C: B2G (Behörden) – Portal und XRechnung
Typisch wichtig:
- XRechnung‑Workflow, Validierung
- Leitweg-ID/Referenzen als Pflichtfelder
- Einreichnachweise archivieren
Startpunkt:
4) Must‑Have Checkliste (unabhängig vom Tool‑Typ)
- Pflichtangaben & Vorlagen sauber (USt‑IdNr./Steuersatz, Nummernkreis)
- Korrekturen sauber (Storno/Korrektur statt Überschreiben)
- Export möglich (mind. PDFs, ideal: strukturierte Daten/Listen)
- Archiv/Belege auffindbar (Suche, klare Ablage)
- Backup/Restore vorhanden und testbar
- Update- und Preismodell verstanden
Optional (je nach Nutzung):
- Rollen/Rechte und Mehrbenutzer
- E‑Rechnung (ZUGFeRD/XRechnung) inkl. Validierung
- Anhänge/Einreichnachweise in einem „Rechnungspaket“
5) Update-Politik: worauf du achten solltest
Viele Tools werben mit „Updates inklusive“ – aber in der Praxis gibt es unterschiedliche Modelle:
- Updates sind zeitlich begrenzt (z. B. 12 Monate inklusive)
- danach optionaler Update-Pass oder Wartung
- Nutzung ohne Update ist weiterhin möglich (du bleibst auf deiner Version)
Für AGYNAMIX Invoicer gilt: Updates sind im ersten Jahr nach Kauf enthalten. Danach ist ein Update-Pass nötig, wenn du weiter aktualisieren möchtest – die Software kannst du aber ohne Update-Pass weiter nutzen.
6) Typische Stolpersteine beim Vergleich
Stolperstein 1: Nur nach Feature‑Listen entscheiden
Viele Tools wirken „voll“, aber scheitern später an Export/Archiv/Korrektur‑Workflow.
Stolperstein 2: Wechsel wird nicht mitgedacht
Prüfe früh: Kannst du deine Daten sauber exportieren und mitnehmen?
Stolperstein 3: GoBD wird als „Software-Feature“ missverstanden
GoBD ist Software + Prozess. Ohne definierte Ablage/Backup/Korrektur wird es im Ernstfall unklar.
Stolperstein 4: E‑Rechnung wird zu spät betrachtet
Wenn du B2G hast, sind Portal‑Workflows und Routing‑IDs zentral.
7) Mini‑Ablauf: Auswahl in 60 Minuten
- Schreibe deine Top‑3 Kriterien auf (z. B. Offline, Datenschutz, Team).
- Prüfe Export/Backup/Korrekturprozess in der Demo.
- Teste einen End‑to‑End‑Run: Rechnung → Versand/Upload → Archiv.
- Lies Update-/Preismodell und „Was passiert beim Kündigen/Wechseln?“
- Entscheide – und dokumentiere kurz deinen Prozess (GoBD‑freundlich).
8) Nächste Schritte
- Funktionen ansehen: /features
- Compliance-Überblick: /compliance
- Preise & Modell: /pricing
- Vorschau testen: /preview
- Download: /download
- Ressourcen-Übersicht: /resources
Siehe auch:
- ZUGFeRD vs. XRechnung: /zugferd-vs-xrechnung
- GoBD Leitfaden: /gobd
- ZUGFeRD Leitfaden: /zugferd
- XRechnung Leitfaden: /xrechnung